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Ortsheimatpflege

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Geschichten und Anekdoten

 

Der Bortfelder Gesundbrunnen

Aus der unveröffentlichen Bortfelder Chronik, geschrieben von Wilhelm Feuge.

Im Jahre 1682 entdeckten Hirten, beim Weiden ihrer Viehherde, in der Bortfelder Feldmark eine Quelle, die auch bei starker Kälte nicht zufror. Dem Quellwasser schrieb man besondere Heilkraft zu. Sehr bald wurde der Brunnen weithin berühmt; hieß es doch einmal von ihm: "Von dem Brunnen wird in Stadt und Land viel Redens gemacht; teils wird´s geglaubt, teil für richtig erkannt." Aus weiter Ferne kamen die Leute, um durch das Wasser des Brunnens gesund zu werden. Die Kirchbücher sind für den Besuch aufschlußreich. So starb hier ein Bauernknecht Johann Buchholz aus Sievershausen in der Heide am 27. Juni 1687, dem das Zäpfchen abgefault war, am 66. Tage, nachdem er angekommen war. Von einem 17 Wochen alten Kinde aus Bielefeld heißt es: "Es war ausgeschlagen am ganzen Körper: Das Nasenknöchlein ganz abgefault." Es starb schon am dritten Tage nach seiner Ankunft.

Dass aber viele Menschen in Bortfeld ihre Gesundheit wieder erlangten, beweisen die Stöcke und Krücken, die sie zurückstellen konnten, und die man später in großen Mengen im Spiel- oder Hochzeitshause auffand. In der Zeit um 1890 erzählten die alten Bortfelder noch oft von dem Gesundbrunnen, und sie erwähnten auch, der Lehrer Miehe habe sich noch täglich Wasser zum Trinken aus dem Brunnen holen lassen.

Der Brunnen lag westlich des Dorfes in den Quaafmorgen, im Rothay, in der Nähe der heutigen Flachsrotten. Der Grund und Boden, worauf die Quelle zutage trat, gehört zum Hofe Nr. 77.

Auch die Ärzte früherer Zeit haben das Wasser des Gesundbrunnens auf seine Heilkraft untersucht. Der Ernsting schrieb 1738 ein kleines Büchlein über den Brunnen mit dem Titel: "Der vor kurzer Zeit überall gepriesene Bortfelder Gesundbrunnen für diejenigen, die sich desselben bedienen wollen." Das Buch befindet sich in der Landesbibliothek in Wolfenbüttel.

Dr. Ernsting schreibt: "Bortfeld, sonst bekannt durch seine Rüben, hat einen Brunnen in einem von Ellern bewachsenen Buschwerk, "Rothay" genannt. In diesem Buschwerk entspringt ein Wasser, welches 3-4 Fuß in dem Buschwerk entlang fließt. Allda hat sich im Laufe der Jahre ein außerordentliches Gewässer sehen lassen. Das Wasser kommt schußweise, von den Quellen selbst ist nichts zu sehen. Das Wasser ist klar, hat keinen Bodensatz; auch bei der Verdampfung bleibt kein Rest von Bodensatz usw. zurück. Es hat gleiches Gewicht wie anderes Wasser". Er kommt dann zu dem Schluß: Das Wasser ist gut zu Kaffee, Tee und in der Küche, aber nicht kalt zu trinken. Er selbst hat in Bortfeld einen Kranken getroffen, der an Asthma litt und bereits 6 Flaschen von dem Wasser getrunken hatte, ohne irgendwie Erfolg zu merken. Er rät dem Kranken nicht zu viel von dem Wasser zu trinken, da sonst seine Krankheit nur schlimmer würde.

Nach alter Überlieferung soll einmal jemand etwas in den Brunnen geworfen haben; seit der Zeit sei die Heilkraft desselben verloren gegangen. Mit der Zeit ging der Ruf des Brunnens zu Ende; bei der Separation der Feldmark wurde er zugeschüttet. In der Zeit um 1895 wollte der Lehrer Friedrich Lenze die Quelle anbohren lassen, es fehlte aber an den erforderlichen Geldmitteln. Seit der Erbauung des Mittellandkanals und der damit verbundenen Absenkung des Grundwasserspiegels, ist die Quelle völligt versiegt.

Veröffentlicht von Bodo Fricke, Ortsheimatpfleger von Bortfeld.